Der tägliche Wahnsinn: Leserbriefe
Nach längerer Zeit will ich hier mal endlich wieder etwas schreiben. Thema: Leserbriefe, denn es kommen bei der taz in letzter Zeit ziemlich dämliche Briefe rein.
Der taz-Titel in einer fremden Schrift. Ob es Arabisch ist oder nicht, sollte man im Zweifel jemanden fragen, der sich damit auskennt.
Anfangen will ich mit Reaktionen auf meinen Artikel Eine Dattel und etwas Wasser, den Ihr bei meinen taz-Arbeitsproben findet. Ein harmloser Text, der lediglich erklären soll, wie der Ramadan abläuft.
Ich hatte mit Leserbriefen von Muslimen gerechnet, vor allem, nachdem die Zwischenüberschrift "Märtyrer-Monat" eingefügt wurde. Aber ich hatte mich geirrt: Die Briefe kamen von Menschen ohne islamischen Background. Tenor: Der Islam ist böse, Muslime sind alle Terroristen und jeder, der über den Islam schreibt, ohne auf ihn einzuschlagen, unterwirft sich den Islamisten.
Beispiele:
Ein Leser, der angibt aus "Friedensstadt" zu kommen, schreibt: "Na Prima. Dann fange ich doch gleich an, eine Kultur der Menschenverachtung, des Ereiferns und der Intoleranz in Europa zu kultivieren."
Ein anderer bezichtigt die taz des vorrauseilenden Gehorsams und bezeichnet es als "unglaubliche Provokation", dass der "Tag der offenen Moschee" auf den 3. Oktober gelegt wurde. Der Leserbrief-Schreiber scheint zu meinen, dass Muslime keine Deutschen sein könnnen. Weiter schreibt er: "Ich persönlich finde es peinlich, wie die TAZ Toleranz mit Unterwerfung verwechselt. Aber das Sie für deutsche Werte und Kultur sprechen, war ja eh noch nie der Fall." Ich habe die starke Vermutung, dass es sich nicht um einen taz-Abonementen handelt.
Aber auch zu anderen Themen komme tolle Briefe. So schreibt ein Leser zu dem arabischen Titel, der im Rahmen der aktuellen Abo-Kampagne erschien und den Ihr im Bild seht: "mein blick auf arabische zeitungen, in den brockhaus und mein wissen um schrifttypen haben mich bis zum beweis des kundigen gegenteils bestätigt, die arabische schrift ist filigraner, spielerischer und vielfältiger, aber eben auch sinnlicher; heißt: die taz von diesem wochenende ist eine arabische nicht gewesen." Wie sehr kann man von sich selbst überzeugt sein, dass man mit einem unfundierten Halbwissen sich erlaubt, so etwas Spezielles zu beurteilen? Besonders erschreckend finde ich, dass der Mensch sich in seiner Email-Signatur als Journalist ausweist. Ich würde ihm dringend empfehlen, Expertenbefragungen in sein Recherche-Repertoire aufzunehmen. Und ich kann Euch versichern, dass der Artikel in arabischer Schrift verfasst ist. Allerdings ist keine schöne Schrifttype gewählt worden.
Der absolute Knaller der letzten Wochen war aber ein Brief zu einem kleinen Artikel, in dem David Denk über die veränderte Lucky-Strike-Werbung schreibt. Der Leserbrief ist so abgedreht, dass ich ihn in voller Länge zeige: "Der Artikel ist pure Geschichtsfälschung. 1988/89 gab es einen bundesweiten studentischen Streik, welcher in Berlin recht spektakulär verlief.Hier gab es Lucky Strike immer zu kaufen, zumindest bereits 1988.Die Hoffnung, der Streik möge glücklich verlaufen, beförderte den Absatz der Strike-Zigaretten, und nur hierdurch wurde, was den Absatz betrifft, die nötige kritische Masse erreicht , welche den Werbern erlaubte, überhaupt tätig zu werden. Das diese Werbefirma nicht schlecht ist,zeigt sich an der Tatsache , daß selbst bei der taz einige schlichtere Geister ihrer Legendenbildung erlegen sind."