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Die schöne Seite der Finanzkrise

by marius last modified 2008-10-21 13:45

Jaja, es ist schlimm. Vielleicht steht die Welt am Abgrund, vor einer neuen Weltwirtschaftskrise. Aber Finanzkrise gönnt uns doch auch etwas: Schadenfreude...

Die schöne Seite der Finanzkrise

Gemeinsames Trauern auf sadguysontradingfloors.tumblr.com

Bevor mir die geneigten Leser dieses Blogs jetzt (beziehungsweise nach der Lektüre diese kleinen Machwerks) aufs Dach steigen: Ich habe keine besonders große Ahnung von der Finanzkrise. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich sie verstanden habe. Kann man es überhaupt verstehen, dass die wirtschaftlich offenbar an den Abgrund gerät, weil ein paar offensichtliche Trottel mit Dingen gehandelt haben, die sie offenbar selbst nicht verstanden haben? Die Jungs und Mädels haben sich gegenseitig wertlose Kredite verkauft - und dabei so getan als wären wasweißichwas wert.

Für mich hört sich das so an, als würde man mit einer Portion McDonalds-Fritten handeln und sie - mit Gewinn - untereinander hin und her verkaufen. Dabei sind die von Anfang an ziemlich mies und werden mit der Zeit immer schlechter, ranziger, kälter...

Die taz erklärt heute in einem Artikel theoretisch, wie es zu der Krise kommen konnte. Kurz gefasst: Jeder der Börsenhändler und Banker hat gedacht, er sei der Größte und schlauer als die Kollegen. Deswegen wurde immer mehr Geld in einen Markt gepumpt, selbst als man eigentlich nicht mehr an seinen Fortbestand glauben konnte.

"... gedacht, er sei der Größte..."? Das kommt mir bekannt vor. Solchen Typen bin ich ständig begegnet, als ich noch Hochschulpolitik gemacht habe. Die studierten Wirtschaft (aber ausschließlich Betriebs- nie Volkswirtschaft) oder Jura, sprangen auch als Studenten bei jeder sich bietenden Gelegenheit in einen Anzug (blaues Hemd mit gelber Krawatte auf einem Hollandrad sieht ziemlich peinlich aus) und vertraten im Wahlkampf um das Studierendenparlament schon mal die Abschaffung von Steuern - egal, dass sie sonst den Asten jedes Recht auf allgemeinpolitische Vertretung absprachen. Wenn man sich mit diesen Typen unterhielt, versuchten sie immer das Gefühl zu vermitteln, dass jeder, der nicht die ganze Zeit an Geld und Karriere denkt, ein armer Tropf sei. (Und dabei waren die Typen wohl noch die harmloseren. Denn ein echter Yuppie wird wohl kaum eine politische Karriere anstreben oder sich gar ehrenamtlich enagieren - auch nicht bei RCDS oder Julis.)

Ich frage mich, was aus diesen Typen wohl geworden ist. Sind da vielleicht ein paar Aktienhändler dabei?

Ich werde mal die Seite sadguysontradingfloors.tumblr.com nach ihnen durchsuchen. Da kann man sie sich ankucken, die "Masters of the Universe". So klein mit Hut sind die da.

Bei der Seite handelt es sich um einen Fotoblog, auf dem Bilder (mehr oder weniger) verzweifelter Aktienhändler zu sehen sind, hinterlegt mit hämischen und (mehr oder weniger) witzigen Kommentaren. Schließlich ist bei all der Dramatik der Finanzkrise Schadenfreude eine der schönsten Freuden. Und die will man am liebsten über den "Herren der Welt", die mit ihrem virtuellen Schrotthandel Milliarden verbrannt haben, ausschütten. Kübelweise.

sadguysontradingfloors.tumblr.com ist die schöne Webseite der Finanzkrise.

Allerdings frage ich mich, ob sich mit Chris Riebschlager, der das Blog betreibt, gerade ein "Interactive Art Director" über Aktienhändler lustig machen sollte. Für mich hört sich das ziemlich genauso abgehoben und aufgeblasen an, wie Sub-prime-Kredite.

Aber Riebschlagers Firma hat wenigstens Erfahrung mit teuren Schrottprodukten, die man wirklich anfassen kann. Sie hat für McDonalds das HappyMeal erfunden.


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